Ostseetour 2005

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Bericht Ostseetrip 02.-06.08. 2005

Dies ist die Geschichte des Simson Clubs Radebeul, der sich aufmachte auf eine Tour mit unendlich weiten Landstraßen, in fremde Gebiete die noch nie eine Simson zuvor gesehen hatte.
Es fing alles damit an, das wir ein paar Tage zelten fahren wollten. Mit dabei: Felix (S50), Mumpitz (MZ ETZ 250 mit 4-mann-Zelt), Kiehne (S51), Ole (SR50) und ich (S51 mit 2- mann zelt). Als wir dann in Senftenberg an einem idyllischen See zelteten (natürlich schwarz) und am Feuer saßen, machte Felix den Vorschlag, dass wir doch an die Ostsee fahren könnten. Alle bis auf ich waren sofort dafür, und ich konnte schließlich auch noch überzeugt werden. Das dumme war nur das sich jeder auf ein paar Tage Zelten in der Umgebung eingestellt hatte, Mumpitz hatte z.B. gar keine Regenhose dabei…
Naja egal, also gings am Mittwoch los mit dem erklärten Ziel Ostsee! Es lief eigentlich immer nach dem Schema ab: morgens (oder mittags…) aufstehen, fahren bis kurz vorm Sonnenuntergang (im Durchschnitt 300km am Tag), geeigneten Platz für die Zelte suchen, einkaufen (meist Fertiggrills oder Suppe), Zelt aufbaun und nen gemütlichen Abend machen. Das Wetter war ok, die Mopeds liefen perfekt, und wir waren hochmotiviert. Das sollte sich jedoch bald ändern. Mumpitz hatte sich zum Glück noch morgens ne Regenhose gekauft, denn dann fings an mit pissen und es hörte einfach nicht auf. Wir fuhren und fuhren, alles war nass und dann stotterte Felix’ Moped rum. Also erstmal anhalten, unterstellen, Vergaser checken, weiter gings. Und es hörte echt nicht auf mit regnen, keiner hatte mehr Bock, und zu allem Überfluss fing auch noch Mumpitz’ MZ an Mucken zu machen. Den Fehler konnten wir lange nicht finden, es gibt einfach Mopeds die den Regen nicht mögen…
Irgendwann wurde es dunkel und wir entschlossen uns dazu nicht die Zelte aufzubauen weil eh alles nass war, wir mussten dringend unsere Klamotten trocknen. Zuerst wollten wir bei Bauern fragen ob wir in der Scheune pennen können, hat aber nicht geklappt, also haben wir paar Ruinen am Wegesrand gecheckt. Die waren aber unzumutbar zum übernachten, also wohl oder übel ab in die nächste Pension. Die waren jedoch alle dummerweise voll oder geschlossen. Nach 8 Stunden Regenfahrt war die Stimmung echt am Boden, und wieder mussten wir uns auf die Böcke schwingen, um die Kuhdörfer um Templin auf Herbergen zu checken. Das erste was wir dann fanden war ein 4-Sterne Hotel, wo die Übernachtung 200€ oder so für ein 2 Bett Zimmer gekostet hätte…. Nee danke!
Nach weiteren Stunden im Regen (es war dann so um neun abends) fanden wir dann schließlich ne kleine Pension wo wir übernachten konnten. Obwohl wir auch ins Doppelbettzimmer gepasst hätten mussten wir ein Apartment mit 2 Betten nehmen, naja war auch ok es hatte wenigstens ein Bad. Der Fön lief ohne Unterbrechung und trocknete unsere nassen Klamotten. Außerdem konnte jeder mal duschen und in nem gemütlichen Bett schlafen, und Frühstück war auch dabei.
Ich und Mumpitz waren dann nach diesem grauenhaften Tag dafür, dass wir umdrehen, schließlich hatten wir gerade mal die Hälfte der rund 700 km geschafft. Nach langem hin und her entschlossen wir uns aber doch dafür das Ding durchzuziehen. Ham die ja früher in der DDR auch geschafft!
Zwischenstationen waren meist McDonalds, wo wir auch immer paar Leute trafen. Irgendwo bei Templin standen hinter uns zwei 18-jährige Motorradfahrer, die sich über unsre Mopeds lustig machten. Als ich denen dann erzählt hatte dass wir aus Dresden kommen und an die Ostsee wollen, waren die erstma sprachlos. Sone Strecke würden die nicht mal mit ihren Yamahas und hastenichgesehn Japanschnitten machen, hamse gesagt. Tja, Simson Fahrer sind halt echte Kerle ;-)!
Der Rest der Strecke verlief problemlos. Die Mopeds liefen einwandfrei, und bis auf ne kleine Panne mit meinem Kettenkasten, den wir aber wieder mit Tape zusammenflicken konnten gabs keine technischen Schwierigkeiten.
An diesem Donnerstag haben wir es sogar bis auf die Insel Usedom geschafft! Dort hat Ole erstmal getankt, denn er war mit seinem 70er Roller bereits 38km auf Reserve (!). Da fast die ganze Insel Naturschutzgebiet ist und man dort kaum wild zelten kann, sind wir wieder runter gefahren und haben es uns in der Nähe von Greifswald gemütlich gemacht.
Am Freitag sind wir dann ne kleinere Strecke nach Lubmin gefahren und endlich erblickten wir die unendlichen Weiten der Ostsee. Vor der Strandkulisse mit der Seebrücke realisierten wir erstmal dass wir es wirklich geschafft haben. Wir waren mit der Simme an der Ostsee!!!!
Beweisfotos gibt’s in der Galerie zu bestaunen. Nach den leckersten Pommes der Republik und bissl echten Ostseesand sammeln haben wir erstmal Karten an die fernen Radebeuler und Dresdner Familien geschrieben.
Das Dumme war nur das wir noch am selben Tag die Heimreise antreten mussten. Ziemlich bescheuert eigentlich, wegen 2 Stunden an der Ostsee und mal mit den Beinen ins Wasser gehen diese Strecke auf sich zu nehmen, aber es war halt ein Spontanroadtrip… Also gings wieder Richtung Dresden. Die nächste Übernachtung war bereits in Templin.
Um ein paar Kilometer wegzulassen (hinzu sind wir teilweise nah an der polnischen Grenze gefahren) beschlossen wir Richtung Berlin und dann um die Hauptstadt herum zufahren, da keiner wirklich Bock auf die Metropole hatte.
Da es keine ausgeschilderte Umgehungsstraße gab, fanden wir uns plötzlich mitten in Berlin wieder. Na super. Das war echt Stress ohne Ende, weil man sich dort leicht verfahren kann und es ohnehin ewig dauert die Stadt von Norden nach Süden zu durchfahren. Aber nun war es zu spät, wir mussten durch. Also vorbei am Fernsehturm und NPD-Stand (die haben sich über unsre Iros gefreut…), vielen grimmig guckenden Türken und so. Da es wieder anfing mit regnen, fing auch Felix’ Moped wieder an mit streiken. Wir sind dann immer von Bushaltestelle zu Bushaltestelle gefahren, doch auch das hat sich irgendwann gelegt. Nach 4 Stunden hatten wir diese Scheiß Stadt endlich hinter uns, aber wir können immerhin sagen, dass wir mit der Simme durch Berlin getuckert sind. Im Nachhinein könnte ich Felix schlagen, weil er immer noch davon überzeugt ist das das ne gute Idee war. Ich hatte zwischendurch echt keinen Bock mehr, wir hatten keine Ahnung wo wir waren da die B96 plötzlich durch ne Baustelle unterbrochen und nicht weiter ausgeschildert war… War echt der Hass.
Naja auf jeden Fall gings dann immer weiter und weiter, mit 60 auf der Landstraße, zur Freude der LKW-Fahrer, die teils abenteuerlich überholten und uns in ihrem Sog halb von der Karre rissen. Mumpitz ist dann manchmal voraus gefahren, der konnte ja um einiges schneller fahren als wir…
Nächste Station war Senftenberg. Dort erstmal den Tankwart gefragt wos nach Dresden geht (was ihr wollt nach Dresden?? Ihr kommt von der Ostsee??? Habt ihr’n Schaden??). Mumpitz ist dann auf der Autobahn nach Hause, da es schon dunkel wurde. Blöderweise macht die Landstraße nen tierischen Schlenker um Dresden rum anstatt einfach nach Süden zu gehen, was die kürzeste Route wäre. Also im dunklen heim, ich vornweg, hinter mir Felix und Ole. Es zog sich ewig hin, und aus irgendeinem Grund waren es nur noch 10 Grad (im August!). Halbnass und durchfroren auf der Karre sitzen und im dunkeln die Kilometer bis nach Hause zählen ist auch nich so dolle. Aber was solls, irgendwann haben wir uns dann von Ole verabschiedet, weil wir über Moritzburg heim gefahren sind. Ca. um zwölf abends kamen wir dann endlich an. Meine stets harte und förmige Sitzbank hatte ne richtige Delle dort wo ich gesessen hatte, aber sonst war alles heil geblieben.
Im Nachhinein sind wir alle ziemlich Stolz auf uns und unsre Simsons (und MZ). Jeder der mir jetzt sagt dass mein Moped zu original und zu langsam ist, soll erstmal mit seiner Tuningschleuder an die Ostsee fahren. Hält garantiert keine Karre durch, geschweige denn der Fahrer.
Hinzu sind wir 750km in 15 Stunden reiner Fahrzeit und zurück 575km in 11 Stunden Fahrzeit.
Insgesamt waren es ca. 1400km in 5 Tagen. Es ist krass, aber es ist möglich. Wir planen bereits die nächste 2000km+ Ausfahrt, vielleicht Ungarn oder so. Mal schaun. Vorher rate ich aber jedem, sein Moped ordentlich durchzuchecken, das es unterwegs keine bösen Überraschungen gibt. Bei uns war eigentlich nix schlimmeres, außer bissl Regenprobleme.
Merke dir: Simson – immer zuverlässig! (meistens jedenfalls ;-)

Fabian@SCR

Bilder findet ihr hier.